Am 07. Oktober 2010 hatte der Dialysestammtisch Frau Weißhäuptel-Becker zu einem Vortrag über eine sinnvolle Ernährung für Dialysepatienten eingeladen. Frau Weißhäuptel-Becker ist Pflegedienstleiterin in der Dialyse Landau und hat eine Zusatzausbildung als Ernährungsberaterin für Dialysepatienten.
Die Grundpfeiler der Ernährung welche für Dialysepatienten wichtig sind
- Flüssigkeit
- Kalium
- Phosphat
- Eiweiß
Flüssigkeit
Patienten ohne Restausscheidung dürfen 750 ml in 24 Stunden zu sich nehmen, Patienten mit Restausscheidung + 750 ml
(z.B. 1000 ml Restausscheidung + 750 ml = 1750 ml)
Dabei sind Nahrungsmittel mit hohem Flüssigkeitsgehalt (Salatgurken, Tomaten, Soßen, Suppen, Obst) mitzurechnen.
Tipps wie Sie ihr Durstgefühl klein halten können:
- meiden Sie salzige, scharfe, stark gesüßte Lebensmittel
- richten Sie sich die Trinkmenge für 24 Stunden an einen festen Platz
- verwenden Sie kleine Trinkgefäße
- lutschen Sie zuckerfreie Bonbons
- vermeiden Sie im Winter trockene Raumluft
- lutschen Sie Zitrone oder geben Sie diese ins Wasser
- nehmen Sie Medikamente mit dem Essen ein
- spülen Sie den Mund mit Wasser aus
Kalium
Kalium ist ein wasserlösliches Mineral. Es kommt in fast allen Lebensmittel in unterschiedlicher Konzentration vor. Bei Menschen mit einer gesunden Nierenfunktion wird der Kaliumhaushalt von der Niere reguliert. Bei Dialysepatienten durch die Dialysebehandlung und durch Ernährungsauswahl. Die tägliche Kaliumzufuhr sollte 2000mg nicht überschreiten. Zuviel Kalium im Blut ist lebensgefährlich!
Ein Kaliumanstieg über 6,5 mmol/l kann ohne Vorwarnung zum Herzstillstand führen!
Anzeichen einer Hyperkaliämie (zu hohes Kalium):
- Einschränkung der Muskelfunktion beim laufen, beim aufstehen
- Muskelschwäche wie beim Muskelkater
- „Ameisenlaufen“ in Beinen und Armen
- Sprachstörungen, schwere Zunge
- Taubheitsgefühl im Mund, Armen und Beinen
- Herzrythmus verändert sich, Herzstolpern
Phosphat
Bei der Dialyse kann nur ein geringer Teil des Phosphates effektiv entfernt werden. Die tägliche Phosphatzufuhr sollte max. 1200 mg betragen. Phosphat ist neben dem Calcium der wichtigste Baustoff des Knochens. Zu hohes Phosphat bewirkt eine Senkung des Calciumspiegels im Blut. Dadurch wird aus der Nebenschilddrüse vermehrt Parathormon ausgeschüttet. Dieses Hormon bewirkt eine vermehrte Freisetzung von Calcium aus dem Knochen. Dadurch werden die Knochen im Laufe der Zeit immer „dünner“ und das sich freigesetzte Calcium in den Gefäßen, Gelenken und der Haut abgelagert. Bei der Dialyse kann nur das Phosphat entzogen werden was sich zur Zeit der Behandlung im Blut befindet. Phosphat hat die Eigenschaft sich an große nicht dialysierbare Moleküle zu binden. Das gebundene Phosphat kann nicht entfernt werden.
Erhöhtes Phosphat und Parathormon verursachen:
- Juckreiz
- Blutarmut
- Muskelschwäche
- Ateriosklerose
Was kann ich als Patient dazu beitragen?
- Ernährungsauswahl
- Phosphatbinder
- Ausreichende Dialysezeit
Phosphatbinder:
Phosphatbinder gibt es in Calciumverbindungen oder in Aluminiumverbindungen. In den letzten Jahren haben sich Calciumphosphatbinder durchgesetzt. Der Grund dafür ist, dass sich bei aluminiumhaltigen Phosphatbindern überschüssiges Aluminium im Körper ablagert. Phosphatbinder haben nur eine einzige Aufgabe, sie binden im Darm das mit der Nahrung aufgenommene Phosphat. Daher ist es sehr wichtig diese Medikamenten korrekt einzunehmen.
Calciumphosphatbinder sind z.B. Caciumacetat, CC Nephro, Calciumcarbonat, Renagel, Phos-ex.
Aluminiumhaltige Phosphatbinder z.B. Phosphornorm
Die Phosphatbinder müssen zum Essen genommen werden!
Wenn Sie sich nicht an die richtige Einnahmen halten, haben diese Medikamente keinen Wirkungseffekt!
Phosphat in der Ernährung:
Phosphat ist ein beliebter Zusatzstoff in Lebensmitteln. Er dient in vielen Bereichen als Konservierungsstoff.
Vermeiden Sie Lebensmittel mit E 322, E 338, E 339, E340, E 341, E 350, E 541. Diese sind reine Phosphatzusätze.
Eiweiß und Phosphat sind untrennbar miteinander verbunden. Wer auf Eiweiß verzichtet um Phosphat einzusparen, geht den falschen Weg. Produkte mit Eiweiß und relativ wenig Phosphat, dazu sinnvoller Einsatz der Phosphatbinder, das ist der richtige Weg zu einer optimalen Ernährung für den Dialysepatienten.
Eiweiß
Eiweiß ist ein Hauptbestandteil der Muskelzellen. Es baut den Muskel auf und erhält ihn.
Vorteil einer ausgewogenen Eiweißzufuhr
- Der Abbau von Muskelzellen wird verhindert
- Verhinderung eines Kaliumanstiegs durch Muskelanbau, bei Muskelabbau wird Kalium freigesetzt.
- Ergänzung des Eiweißverlustes durch die Dialysebehandlung
Ein Dialysepatient sollte 1,0 -1,2 g / pro kg Körpergewicht Eiweiß pro Tag zu sich nehmen.
Zu wenig Eiweiß in der Nahrung führt zum Abbau von körpereigenem Eiweiß. Das bedeutet einen Abbau der Muskulatur und somit der Körperkraft. Der Abbau von Muskelzellen führt zu einem Anstieg von Kalium, Phospat und Wasser. Und gerade diese Stoffe sollen bei der Dialyse im Gleichgewicht gehalten werden. Ein ausgeglichener Eiweißhaushalt ist deshalb besonders wichtig. Wenn Sie bewusst Gewicht verlieren möchten, müssen Sie Fett in der Nahrung reduzieren. Pro Monat sollten Sie nicht mehr als 1-2 kg abnehmen. Sowohl tierische wie pflanzliche Nahrungsmittel enthalten Eiweiß. Das tierische ist dem körpereigenen sehr ähnlich und kann vom Körper effektiver verwertet werden.
Hochwertiges Eiweiß:
- Fleisch
- Wurst
- Fisch
- Milchprodukte und Milch
Bei dieser Auflistung denken Sie sicher sofort ans Phosphat!!!
• Die Menge macht es und die konsequente Einnahme Ihrer Phosphatbinder, mit dieser Kombination ist auch diese Liste halb so schlimm.
Zum Schluss rät uns Frau Weißhäuptel-Becker: Essen ist Lebensqualität, der Körper benötigt es und der Psyche tut es
gut! Ein schönes Essen mit Freunden ist durch fast nichts zu ersetzen. Passen Sie Ihren Speiseplan Ihren Bedürfnissen an! Wenn ein Grillfest, Feierlichkeiten oder ein Restaurantbesuch anstehen, planen Sie ihren Speiseplan darauf hin. Wenn Sie den Rest des Tages richtig planen,
können Sie den Abend richtig genießen , also ohne schlechtes Gewissen und die „Angst“ vor der nächsten
Dialysebehandlung.
Wir bedanken uns bei Frau Weißhäuptel-Becker für ihren
kenntnisreichen und für alle gut verständlichen Vortrag.
Aloisia Rung